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Warum wir verlernt haben zu entspannen – und wie echtes Abschalten wirklich aussieht

Autorenbild: Franziska Becker
Franziska Becker
10. Sept.
2 Min. Lesezeit

Ich habe verlernt, wie man sich entspannt.


Klingt erst mal ziemlich skurril, vor allem, wenn man sich beruflich als Gesundheitspädagogin und Coach tagtäglich mit Stressmanagement, Nervensystemregulation und Entspannungstechniken beschäftigt. Ich predige Progressive Muskelrelaxation, erkläre die Mechanismen von Autogenem Training und begleite Menschen dabei, ihre Akkus aufzuladen.


Und doch stand ich an dem Punkt, an dem mein eigenes Gehirn rebellierte, weil ich einem Trugschluss aufgesessen war: Ich dachte, Entspannung müsse ein absolut passiver Zustand sein. Nichts tun. Hände in den Schoß legen. Auf der Couch liegen, starren, absolute Totenstille.


Wer hart arbeitet, so die ungeschriebene gesellschaftliche Regel, muss sich die Erholung durch pure körperliche Inaktivität verdienen. Doch genau dieser Anspruch hat bei mir – und da bin ich sicher, bei vielen von euch auch – genau das Gegenteil bewirkt: inneren Druck, kreisende Gedanken und das frustrierende Gefühl, schon beim Ausruhen „falsch“ zu sein.


Der Irrglaube vom perfekten Stillstand


Wir neigen dazu, alles im Leben zu optimieren – selbst unsere Erholung. Wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, soll in der Mittagspause gefälligst meditieren. Wer gestresst ist, muss tief durchatmen und die Augen schließen. Aber unser Nervensystem funktioniert nicht nach Schema F.


Manchmal ist Stille für ein überlastetes Gehirn kein Segen, sondern purer Stress. Wenn die Gedanken rasen, verstärkt das Nichtstun oft nur das Karussell im Kopf. Der Körper sehnt sich in solchen Momenten gar nicht nach Ruhe im klassischen Sinne, sondern nach einem ganz anderen Ventil.


Nervensystemregulation braucht manchmal Dezibel


Bei mir sieht die Realität fernab von jedem Ratgeber-Klischee oft ganz anders aus. Mein effektivster Weg, um runterzukommen? Kopfhörer auf, Musik auf die Ohren, und den angestauten Druck einfach aus dem Körper herausschütteln. Tanzen, bis die Beine schwer werden, ein Spaziergang an der frischen Luft oder eine Runde Bewegung, die den Kopf frei pustet. Das ist meine Art von Nervensystemregulation. Es ist aktiv, es ist laut, und es holt mich raus aus dem Kopf und direkt zurück in den Körper.


Natürlich bedeutet das nicht, dass die klassischen Methoden wertlos sind. Natürlich tut es mir auch mal gut, mich platt ins Kissen zu fletzen, einen Film zu schauen oder mich stundenlang in ein kreatives Projekt zu vertiefen. Es geht nicht darum, das eine verteufelt und das andere heiliggesprochen wird.


Raus aus dem Korsett: Erholung hat keine To-Do-Liste


Es geht vor allem um eins: Schluss mit dem Leistungsdruck in der Freizeit.


Echtes Abschalten beginnt genau dort, wo wir aufhören, uns an starren Erwartungen zu messen. Du musst nicht meditieren, wenn du lieber headbangst. Du musst nicht stundenlang regungslos dasitzen, wenn dein Körper nach physischem Ausgleich ruft. Dein Nervensystem weiß ganz genau, was es braucht, um den Schalter umzulegen. Hör auf, es in ein Korsett zu zwängen, nur weil es in Lehrbüchern so steht. Fange stattdessen an, das zu tun, was deine Batterien wirklich füllt – ganz egal, wie unkonventionell das auf andere wirken mag.


Wie sieht deine ganz persönliche Version von Entspannung aus, die so gar nicht in den klassischen Ratgeber passt? 


Welches vermeintliche „Unrecht“ tust du dir an, um den Kopf freizubekommen? Schreib es mir gerne in die Kommentare oder direkt als Feedback!


 
 
 

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